Ein Manifest?

„In den letzten Jahrzehnten wurde wir daran gewöhnt, an die Doktrin „Mehr privat, weniger Staat“ zu glauben. In jüngster Zeit jedoch lauten die Forderungen der Privatwirtschaft gerade umgekehrt: mehr Staat und weniger privat. Die so genannte Krise hat nämlich offen gelegt, dass die Rede vom „freien Markt“ immer nur ein Gefasel war. In Wirklichkeit wurde die Privatwirtschaft vom Staat durch Subventionen, Steuernachlässe, Exportförderung etc. finanziell in hohem Maß gestützt.

Nun sind aber die Ausmaße der Verschuldung der Banken und Privatwirtschaft so enorm, dass sich der private Wirtschaftssektor in aller Öffentlichkeit subventionieren lassen muss. Dies ist der historische Augenblick, in dem die Kultur stolz ihr Haupt erheben kann. Ihr wurde immer vorgeworfen, sie sei ein schwarzes Loch der Subvention. Nun lesen wir täglich in den Zeitungen über die wahren schwarzen Löcher, nämlich die Banken, in denen pro Quartal Milliarden versinken. Deshalb ist es an der Zeit, darauf hinzuweisen, dass bei der wirtschaftlichen Funktion der Kultur Wahrnehmung und Wirklichkeit weit auseinander klaffen. Auf Bundesebene sind die Kreativen mit einem Umsatz von 132 Milliarden Euro in der Liga der klassischen Industriesektoren angekommen. Etwa eine Million Beschäftigte arbeitet bundesweit in dieser Branche. Die Brutto-Wertschöpfung in Deutschland liegt bei 63 Milliarden Euro.

Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist ein Innovationsmotor. Dort geht es nicht um einige Großkonzerne wie in der Automobilindustrie, sondern um kleinste, kleine und mittlere Unternehmen, die zwei Drittel des Umsatzes erwirtschaften. Eine Schwächung dieser Branche würde daher viel mehr Arbeitslose freisetzen als in der Automobil- und Bankenindustrie. Es darf nicht sein, dass im Jahr 2010 in der Kultur eingespart wird, was die Banken unter den Augen der Politik rücksichtslos verspielt haben. Deshalb fordere ich, dass die Museen für ihre vielfältigen Aufgaben mindestens zehn Prozent jener Summe erhalten, die für die Rettung der Banken und angeschlagener Großbetriebe ausgegeben werden. Wenn die Bundesregierung 100 Milliarden Eurd für den „Wirtschaftsfonds Deutschland“ zur Verfügung stellt, ist es wohl zulässig, den Anspruch zu formulieren, zehn Milliarden Euro davon stünden auch der Kultur- und Kreativwirtschaft zu. Ansonsten haben wir es mit einer heuchlerischen Doppelmoral zu tun und mit einer Wettbewerbsverzerrung, die der Beginn einer neuen Barbarei ist.“

Peter Weibel. Der Autor ist Direktor des Zentrums für Kunst und Medientechnologie (ZKM) in Karlsruhe. (veröffentlicht in: Kunstzeitung Juni 2009)

Das Projekt Open Wall aus Leipzig steckt in diesem Jahr noch in den Kinderschuhen, soll aber in den folgenden Jahren das Stadtbild beleben. Ziel ist es mit dem Projekt Muralisten und Interessierten die Möglichkeit zu geben, einen freien Zugang zu Räumen der Kunst, der Kreativität und Kultur zu finden. Gleichzeitig sollen die Themen lizenzrechtliche Bestimmungen und neue Wege im Umgang mit dem „digitalen“ Urheberrecht diskutiert werden.
Durch die Gestaltung der eigenen Ideen für einen diskursiven Kunstraum entwerfen die Kreativen auch gleichzeitig einen Entwurf für die Stadt, in der sie leben wollen! Am Montag, dem 9. November 2009 wird in der EEG der erste Gewinner des Wettbewerbs OPEN WALL feierlich präsentiert und prämiert.
Il-Jin Choi (ATEM), GRAFFITIST aus Frankfurt/Main arbeitet dafür seit dem 4.11. in den Ausstellungsräumen der EEG im Westwerk an seinem Konzept.

9. November 2009, 19.00 Uhr, EEG (essential existence gallery), Westwerk Leipzig-Plagwitz, Tor B, Gebäude Karl-Heine-Straße 93, Leipzig-Plagwitz
Mehr Informationen unter www.eexistence.de

Aus Solidarität mit den besetzenden in Österreich und um auf die Zustände in den deutschen Hochschulen aufmerksam zu machen wurden in den vergangenen Tagen auch in Deutschland Hörsäle besetzt. Die so geschaffenen Freiräume sind wichtig für die Diskussionen unter Studierenden, Schülern und Lehrenden – nicht gegen das deutsche Bildungswesen, sondern für Entwicklung dessen.

unsereunis.de informiert über die Besetzungen und vernetzt die Streikenden.

Am Donnerstag, 29. Oktober 2009 wurde dem Erfurter Oberbürgermeister Herrn Andreas Bausewein und der Frau Bürgermeisterin Tamara Thierbach in Sorge um die Weiterexistenz kultureller Einrichtungen in Erfurt ein Offener Brief übergeben.
Nach dem jetzigen Stand besteht die Gefahr, dass die Stadt Erfurt ihren Haushalt für 2010 nicht vor dem Sommer nächsten Jahres beschließen und er starke Einschnitte beinhalten wird. Monatliche Abschlagszahlungen für Kultureinrichtungen, die städtische finanzielle Unterstützung erhalten, sind nicht bestätigt. Das bedeutet für diese Einrichtungen eine zeitliche Einstellung ihrer Arbeit oder eine komplette Schließung. Das muss mit allen Mitteln verhindert werden. Es würde einen nicht reparablen Verlust für die Stadt Erfurt bedeuten. Deshalb muss gemeinsam nach Lösungen gesucht und diese umgesetzt werden.

Mehr Informationen unter www.kulturerfurt.kunsthaus-erfurt.de

Ziel der jungen und energischen Truppe ist für ganz Thüringen, als Servicestelle für Jugendbeteiligung aufzutreten und anderen jungen Menschen zu helfen, eigene Kunst- und Kulturprojekte zu entwickeln und durchzuführen. Jedem, der selbst ein Projekt verwirklichen will und noch nicht genau weiß wie, stehen sie thüringenweit mit Rat und Tat zur Seite.
Mit ihrem Pilotprojekt legen sie eine atemberaubende Geschwindigkeit vor, und das muss man wohl auch, wenn man in die Zukunft Weimars hineinschauen will: “Lichtgeschwindigkeit! – Jugend macht Stadt“, heißt die Blitzausschreibung für Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 14-26 Jahren, die sich mit der Einbindung von Jugendlichen in die Entwicklung ihrer Stadtquartiere befasst. Dazu zählt unter anderem die Gestaltung von Freiräumen für Jugendliche, als auch die Entwicklung von jugendgerechten Sport- und Freizeitangeboten. Dieses Projekt wird vom Programm „Jugend macht Stadt“ gestützt und stammt aus dem Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung. Im Rahmen dieses Fonds erhalten engagierte Jugendliche bundesweit die Möglichkeit, bis Dezember 2009 in ihrer Stadt in Eigenregie Projekte zu verwirklichen, die sich mit ihrem lokalen Umfeld befassen.

Bewerbungsschluss: 15. November 2009
Mehr Informationen unter kosmonautenschule-weimar.de

Bund und Länder kommen mit ihrem Vorhaben, aus Deutschland eine „Bildungsrepublik“ zu machen, kaum voran. In drei Wochen wollen die Ministerpräsidenten bei ihrem Treffen in Mainz darüber beraten, wie sie gemeinsam mit der Bundesregierung die Ausgaben für Forschung und Entwicklung deutlich steigern können. Doch bisher liegen keine konkreten Vorschläge auf dem Tisch. Und Finanz- und Kultusminister streiten über die Finanzierung der Initiative.
Damit ist eines der großen Renommierprojekte von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) schon zum Start der neuen Legislaturperiode bedroht. Im Oktober 2008 hatten die Kanzlerin und die Länderchefs beim Dresdner Bildungsgipfel vereinbart, die Ausgaben für Bildung und Forschung bis 2015 von zuletzt 7,3 auf zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zu steigern. Mit dem zusätzlichen Geld soll Deutschland die vielen Defizite in den Kindergärten, Schulen und Hochschulen beseitigen – auch um der Wirtschaft die nötigen Fachkräfte liefern zu können.
Die Kultusministerkonferenz (KMK) konnte sich jedoch bisher nicht auf schlagkräftige gemeinsame Projekte einigen. Bisher gibt es für den Bildungsgipfel nur eine vage Liste mit rund 40 wenig konkreten Maßnahmen, die zudem jeweils nur wenige Länder gutheißen. Der bildungspolitische Wunschzettel, der dem Handelsblatt vorliegt, reicht von besserer Ausbildung der Erzieherinnen über Sprachförderung in der Grundschule bis zur besseren Berufsvorbereitung der Schüler und dem Ausbau der Weiterbildungsberatung.
Wie das Handelsblatt aus Teilnehmerkreisen erfuhr, hat sich indessen die Koalitionsarbeitsgruppe Bildung und Forschung darauf geeinigt, dass es eine steuerliche Forschungsförderung geben soll. Diese könnte etwa in einer Gutschrift über zehn Prozent der Forschungsausgaben bestehen, die Gesamtsumme je Unternehmen solle aber auf jeden Fall gedeckelt werden, Damit wäre die neue Subvention für Großunternehmen weniger interessant. Die FDP dringt aber darauf, dass auch Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern profitieren. Daneben wollen die Koalitionäre sowohl ein nationales Stipendiensystem in Kooperation mit der Wirtschaft für die besten zehn Prozent der Studenten nach dem Vorbild NRWs einführen als auch ein Bildungssparen.
„Es ist eine Blamage auf der ganzen Linie, dass es die KMK in so vielen Monaten nicht geschafft hat, sich auf eine Prioritätenliste zu einigen, sei es der Ausbau der Ganztagsschulen, die Weiterbildung oder die Studienfinanzierung“, kritisiert die bildungspolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Priska Hinz. Es sei „ein Armutszeugnis, dass die Kultusminister die günstige Gelegenheit nicht nutzen“. Zugleich zeige sich aber auch, „dass sich wohl auch das Kanzleramt seit dem Bildungsgipfel nicht allzu sehr um das Thema gekümmert hat“, mutmaßt Hinz.
Der KMK-Vorsitzende, Mecklenburg-Vorpommerns Kultusminister Henry Tesch (CDU), weist die Kritik zurück: Solange unklar sei, wie viel Geld es zusätzlich gebe, seien die Kultusminister nicht in der Lage, konkreter zu werden, schreibt Tesch in einem Brief an die sächsische Staatskanzlei, die die Steuerungsgruppe von Bund und Ländern für die in Dresden ausgerufene „Qualifizierungsinitiative Deutschland“ leitet.
Die Finanzminister schieben den Schwarzen Peter zurück: Solange die Kultusminister nicht wüssten, was sie wollen, sei man nicht in der Lage, ein passendes Finanztableau zu liefern, heißt es in einem dem Handelsblatt vorliegenden Brief des Vorsitzenden der Finanzministerkonferenz, Helmut Linssen (NRW), an die Koordinatoren in Sachsen. Die Chefs der Finanzressorts werfen den Kultusministern zudem Eigenmächtigkeit vor: So hätten sie den Auftrag des Bildungsgipfels, künftig „mehr Menschen für naturwissenschaftlich-technische Berufe zu begeistern“, schlicht ignoriert.
Unabhängig davon ist auch der grundlegende Streit zwischen Bund und Ländern über die finanzielle Lastenteilung noch ungeklärt. In Dresden wurde zwar vereinbart, „die gemeinsame Finanzierung sicherzustellen“. Im Abschlussdokument steht aber auch, dass die Länder im Gegenzug einen höheren Anteil am Umsatzsteueraufkommen erwarten. Alternativ könne der Bund einen entsprechend höheren Anteil der Zusatzlasten übernehmen. Beides hatte der Bund aber damals schon abgelehnt.
von Barbara Gillmann

Handelsblatt, 8. Oktober 2009

… ist ein überaus passendes Märchen der Neuzeit, das die Bildungsmisere des Landes auf den Punkt bringt. Veröffentlicht wurde es von dem User „desidinha“ unter www.neon.de Schön ist, dass offensichtlich Methoden des handlungs- und problemorientierten Literaturunterrichts auch außerhalb schulischer und außerschulischer Bildungs- und Kultureinirchtungen Anwednug finden. Da können sich die Fachdidaktiker auf die Schulter klopfen. Aber nun zum Märchen…

Es war einmal ein Schülerlein, das mit seinem Vater, seiner Mutter, drei Brüdern und drei Schwestern in einer Hütte im finsteren Wald lebte.

Draußen spielen konnte es nicht, weil die anderen Kinder größer und stärker waren und es immer ärgerten. Weil es sich aber irgendwie beschäftigen musste, malte es für seinen Leben gern. Seinen Vater sah es selten, weil dieser morgens noch in der Dunkelheit das Haus verließ und abends spät heimkehrte. Obwohl der Vater jeden Tag hart arbeitete, hatte er dennoch Schwierigkeiten die Familie zu ernähren. Seine drei älteren Brüder waren früh zu Hause ausgezogen, um in der Stadt ihr Glück zu finden. Die Eltern hätten es sich nicht leisten können, dass einer von ihnen auch nur ein Jahr länger zur Schule hätte gehen geschweige denn studieren können.

Das Schülerlein zeichnete sich durch großen Fleiß aus, aber ebenso durch seine besondere Tapferkeit. Weil es aber Kevin hieß, wurde es schon bei der Einschulungsfeier von einer bösen Hexe mit einem Fluch belegt. Alle Kinder wurden im Klassenraum willkommen geheißen und liebevoll begrüßt, zu Kevin sagte die böse alte Frau aber: „Du wirst kein gutes Leben haben, denn deine Eltern haben dir den falschen Namen gegeben. Deswegen seist du für die nächsten Jahre deines Lebens verflucht. Nur wenn du die drei Prüfungen bestehst, kannst du dem Fluch entrinnen.“ Ihre Worte schloss sie mit einem lauten und fiesen Lachen. Noch verstand das fleißige Schülerlein nicht, was diese Worte bedeuten sollten. Und weil es sie nicht verstand, freute es sich auf die Schule. Was sprach dagegen? Schließlich sollte es rechnen, schreiben und lesen lernen.

Schon in den ersten Jahren der Grundschule wurde ihm die verhängnisvolle Bedeutung der Worte immer klarer. Kevin konnte sich noch so sehr anstrengen, aber die böse alte Frau übersah ihn immer. Nie durfte er seine Hausaufgaben vorlesen oder sich am Unterrichtsgespräch beteiligen. Als sein ältester Bruder wieder einmal zu Besuch war, fragte er ihn: „Was soll ich denn machen? Wie kann ich Prüfungen bestehen, wenn ich keine Möglichkeit bekomme, meine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen?“ „Ha“, antwortete der Bruder. „Du musst nur richtig auf dich aufmerksam machen, dann wirst du schon beachtet werden.“ „Aber was soll ich machen?“ „Du musst einfach in die Klasse rufen, Zettelchen schreiben, malen und auf deinem Stuhl rumwippen. Dann wird sie dich schon bemerken.“ Da Kevin davon überzeugt war, dass sein großer Bruder es weit gebracht hatte, hielt er sich an seinen Ratschlag. Also setzte er den Vorschlag in die Tat um. Die Aufmerksamkeit, die er nun bekam, war aber nicht die, die er sich wünschte. Er war ratlos.

Die erste Prüfung, auch wenn sie nicht diese Bezeichnung trug, rückte immer näher. Schließlich musste bald darüber entschieden werden, wie es mit ihm weitergehen würde. Welche Schule würde ihn nehmen? Seine Noten waren nicht besser geworden, die Lust am Lernen ließ nach. Er wusste, dass die böse alte Frau bald ein Gutachten schreiben würde, das über die nächsten sechs Jahre seines Lebens entschied. Dabei war er doch so jung. Er konnte nicht verstehen, warum sich jetzt entscheiden sollte, wie es mit dem Rest seines Lebens weitergehen sollte. Gegen den Befehl des Königs, so früh zu entscheiden, war das Volk machtlos. Der Tag der „Ergebnisse“ war gekommen. Kevin hielt das Halbjahreszeugnis in der Hand. Dort stand – in Buchstaben, die ihn fast anschrien – geschrieben: Empfehlung für die Hauptschule. Das sonst so tapfere Schülerlein fing an zu weinen, weil es von seinen Brüdern wusste, dass sein Leben so vorgezeichnet sein würde. Keiner der drei hatte – trotz eines guten Hauptschulabschlusses – eine gute Ausbildung machen können. Auch seine Eltern waren traurig ob der Entscheidung der alten Frau. Dagegen tun konnten sie allerdings nichts. Um diese Prüfung nicht vollends zu verlieren, meldeten sie den jüngsten ihrer Söhne an der nahe gelegenen Gesamtschule an und hofften darauf, dass er angenommen würde. Jeden Tag warteten sie auf die Post. Als der lang ersehnte Brief eines Tages kam, öffnete die Mutter ihn mit zitternder Hand: Angenommen! Die Freude der Familie war groß, denn die erste Prüfung war somit bestanden.

Die ersten Tage an der neuen Schule ließen die Hoffnung des Schülerleins wieder wachsen. Allerdings hatte es große Schwierigkeiten, die in den letzten Jahren zur Gewohnheit gewordenen Verhaltensmuster abzulegen. In der zweiten Woche bekam es einen Einzelplatz zugewiesen, weil es durch seine Hibbeligkeit die anderen Kinder vom Lernen ablenkte. Die guten und bösen Lehrer konnten das nicht alleine ändern, so oft sie Kevin darum baten, sich an die Regeln zu halten. Er selbst konnte nichts dagegen tun und sprach vor lauter Kummer mit seinem mittleren Bruder: „Was soll ich denn machen? Wie kann ich Prüfungen bestehen, wenn ich keine Möglichkeit bekomme, meine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen?“ Der mittlere Bruder, der enttäuscht darüber war, dass ihm selbst so viele Möglichkeiten verwehrt geblieben waren, sprach: „Wende dich an die gute Fee. Sie wird dir helfen.“ „Aber wie kann sie mir helfen?“ „Sie wird mit dir üben und trainieren, dass du dein Verhalten änderst. Bitte unsere Mutter darum, mit ihr zu sprechen.“ So ging die Mutter zur guten Fee, um sie um Unterstützung bei ihrem jüngsten Sohn zu bitten. Diese willigte ein.

So durfte er zwei mal in der Woche mit sieben anderen Kindern, die die gleichen Schwierigkeiten hatten, Übungen und Spiele machen, die ihn immer ruhiger und geduldiger werden ließen. Bald konnte er wieder mit den anderen zusammen, was er so unbedingt wollte, in der Klasse an einem Tisch sitzen. Das Lernen war trotz alledem nicht immer leicht. Der König hatte beschlossen alle Steuergelder für Wichtigeres auszugeben, so dass die geliebte Bücherei und sämtliche AGs abgeschafft wurden. Außerdem musste das Schülerlein, wenn Klassenfahrten anstanden, immer damit rechnen, dass es nicht mitfahren konnte. Seine Eltern hätten sich die Fahrt nicht leisten können, so hart der Vater auch schufftete. Glücklicherweise gab es den Förderverein.

Kevin blühte von Tag zu Tag mehr auf. Doch die nächste Prüfung stand bevor. Jetzt würde sich wieder entscheiden, ob er eine Chance haben würde, dem Fluch zu entkommen. Er war ruhiger geworden, lernte fleißiger denn je, hatte endlich Freunde gefunden, mit denen er sich auch außerhalb des Waldes treffen konnte. Sie bereiteten sich gemeinsam auf die zentrale Prüfung vor, übten Vokabeln, lernten Formeln und Fachbegriffe. Nach den Prüfungstagen konnten sie noch nicht sagen, wie es gelaufen war. Das fleißge Schülerlein hoffte, dass es die Oberstufe erreichen würde. Sonst würde die alte böse Frau recht behalten, Kevin würde mit dem Fluch belegt bleiben und die letzten sechs Jahre wären umsonst gewesen. Der Tag der Ergebnisse war gekommen. Kevin hielt das Abschlusszeugnis in der Hand. Dort stand – in Buchstaben, die ihn geradezu anlächelten – geschrieben: Fachoberschulreife mit Qualifikation für die gymnasiale Oberstufe. Nun konnte es also an die dritte Prüfung gehen.

Der König hatte bestimmt, dass die Bücher nun alle selbst zu bezahlen seien. Kevin wusste, dass er seinen Vater nicht zu fragen brauchte. Doch er wollte doch so sehr auch die letzte Prüfung bestehen. Also fragte er den jüngsten der drei Brüder: „Was soll ich denn machen? Wie kann ich Prüfungen bestehen, wenn ich keine Möglichkeit bekomme, meine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen?“ Dieser hatte, sogar ohne einen Abschluss, das meiste Geld in den letzten Jahren verdient und konnte ihm bestimmt einen Ratschlag geben: „Du musst in deine eigenen Fähigkeiten vertrauen. Du kannst malen und zeichnen. Ich habe deine Bilder gesehen. “ „Aber wie kann ich mir helfen?“ “ Verkaufe deine Bilder. Ich werde sie mit in die Stadt nehmen und dort einer Galerie anbieten.“ Das fleißige Schülerlein zweifelte noch ein wenig, vertraute aber seinem Bruder. Und tatsächlich: Seine Bilder waren heiß begehrt. Es verdiente zwar keine riesigen Summen, konnte sich aber die Bücher und sogar die Teilnahme an der Abschlussfahrt in die Hauptstadt leisten.

Es waren nur noch wenige Wochen bis zur letzten Prüfung. Sollte Kevin es schaffen sich von seinem Fluch zu befreien? Seine alten Verhaltenmuster war er los geworden. Sein Fleiß, sein Talent und die Unterstützung durch geliebte Menschen ließen ihn gestärkt in die letzte Prüfung gehen. Es war die härteste der drei, da er die anderen bereits bestanden hatte und nicht kurz vor dem Ziel wieder alles verlieren wollte. Kevin schrieb Klausuren, ließ sich mündlich prüfen und hatte – trotz des gewonnenen Selbstbewusstseins – kein gutes Gefühl. Trotzdem hoffte er, wie schon zwei mal zuvor. Der Tag der Ergebnisse war gekommen. Kevin hielt das schwarz auf weiß gedruckte Blatt in der Hand. Dort stand – in Buchstaben, die ihn geradezu angrinsten vor Freude – geschrieben: Allgemeine Hochschulreife. Er konnte es kaum glauben. Er war erlöst.

Und wenn er nicht gestorben ist, dann arbeitet er auch heute noch als Grafikdesigner.

Nach drei Jahren ehrenamtlicher Kulturarbeit und vielen innovativen und unterhaltsamen Veranstaltungen stellt Kultiviert Anders e. V. zum November regelmäßig stattfindenden Veranstaltungen ein. Die Gründe dafür sind vielfältig, liegen aber hauptsächlich im zunehmenden Zeitmangel der Mitglieder. Seit 2006 hat der Verein mehr als 150 Veranstaltungen mit Künstlern aus dem In- und Ausland durchgeführt. Damit war das KA! ein wichtiger Förderer junger Künstler und eine Bereicherung für die Leipziger Subkultur.
Das Ende des regelmäßigen Veranstaltungsbetriebs bedeutet allerdings nicht das Ende des Vereins. Kultiviert Anders! organisiert zwar keine Veranstaltungen mehr in seinen eigenen Räumen, wird aber mit einzelnen Projekten immer noch aktiv am Leipziger Kulturleben teilnehmen.
Bevor der Veranstaltungsbetrieb endet, gibt es im Oktober allerdings noch ein pralles Programm mit Musik, Film, Lesung, Ausstellung und Party. Das KA! empfiehlt sich!

24. Oktober 2009, Zschochersche Straße 61, Leipzig
Mehr Informationen unter www.kultiviertanders.de

Am 5. Oktober ist wieder Internationaler Tag des Lehrers – Feiertag eigentlich für all jene Tapferen, die sich dem kleinstaatlichen Bildungswesen in Deutschland zur Verfügung stellen, um Unmögliches zu versuchen. 37.400 dieser Tapferen gibt es in Sachsen.
Manche gut, manche schlecht, manche mittelmäßig. Nicht jedem ist es Talent gewesen, ein guter Lehrer zu sein – erst recht in einem Bildungssystem, das derart ohne Puffer und Kreativität gefahren wird wie das sächsische. Und Puffer heißt in allererster Linie: Personalpuffer. Dabei waren die jeweiligen Kultusminister immer so stolz darauf gewesen, nicht alle Lehrerinnen und Lehrer zu feuern, die über den jeweils knappsten Betreuungsschlüssel hinaus in sächsischen Lehrdiensten standen. Ein Schlüssel, der weder Krankheit noch Geburt noch Todesfall einrechnet.
Daran hat auch die extreme Zentralisierung des sächsischen Schulwesens nichts geändert. Im Gegenteil: Der natürliche Ausfall von Lehrkräften hat sich aus einem schulfreien Tag da und dort im Land in ein Dauerphänomen nicht mehr abdeckbarer Schulstunden in allen Schulen entwickelt. Zwei, drei Stunden Ausfall pro Woche sind vielerorts normal. Die Regionalagenturen winken nur noch ab: Das Lehrerbudget reicht schon vor Schuljahresanfang nicht. Und die Katastrophe kommt erst.
37.436 voll- bzw. teilzeitbeschäftigte Lehrerinnen und Lehrer unterrichteten im vergangenen Schuljahr 2008/09 an Sachsens Schulen. Das waren laut Statistischem Landesamt 2 Prozent bzw. 840 weniger als noch ein Jahr zuvor und 16 Prozent bzw. 7.100 weniger als vor 10 Jahren. Im gleichen Zeitraum sank die Schülerzahl insgesamt um 4 bzw. 38 Prozent.
Ein Blick auf die Alterstabelle zeigt: 47,8 % – also fast die Hälfte der sächsischen Lehrer – ist heute schon 50 Jahre alt und älter. Über 70 Prozent davon sind Frauen. Heißt im Klartext: Über 15.000 Lehrerinnen und Lehrer werden spätestens in den nächsten 15 Jahren, wie Kultusminister Roland Wöller noch im Juli verkündete, den Schulbetrieb verlassen. Rein aus Altersgründen – ohne die üblichen „Frühabbrüche“ durch ein von Stress geprägtes Berufsleben einzurechnen.
Mit nur 7.000 bis 9.000 neuen Lehrern rechnet Wöller, glaubt, das er mit 700 bis 1.500 Neueinstellungen pro Jahr dem Lehrermangel vorbeugen kann. Er geht dabei von weiter sinkenden Schülerzahlen aus.
„Die Altersstruktur der Lehrerschaft im allgemein bildenden und berufsbildenden Bereich zeigt im Schuljahr 2008/09 insbesondere in den jüngeren Altersgruppen Unterschiede“, schreibt das Statistische Landesamt zu den neuen Zahlen. „Während an den allgemein bildenden Schulen 12 Prozent der Lehrer jünger als 40 Jahre waren, lag der Anteil dieser Altersgruppe im berufsbildenden Bereich bei 21 Prozent. Mehr als ein Viertel (28 Prozent) der Lehrkräfte waren älter als 54 Jahre. Das Durchschnittsalter der Lehrpersonen betrug an den allgemein bildenden Schulen 48,8 Jahre und an den berufsbildenden Schulen 47,9 Jahre.“
Zulassungsbeschränkungen für Neulehrer will Wöller noch zwei bis vier Jahre aufrecht erhalten. Das hört sich nicht wirklich gut an, denn in vier Jahren kann das bedeuten: Dann gibt es gar nicht mehr genug Bewerber für den sächsischen Lehrbetrieb. Denn nicht nur auf den Freistaat rollt massiver Abgang von Lehrern in den Ruhestand zu, sondern auf fast alle Bundesländern. Und einige haben schon längst angefangen, junge Lehrer aus Sachsen abzuwerben. Dieser Trend wird sich noch verstärken.

LIZ, 3. Oktober 2009

Keine Gemeinschaftsschulen mehr?

(dpa) – Nach der Präsentation des Koalitionsvertrages von CDU und FDP in Sachsen wirft die Opposition den Liberalen die Preisgabe von wichtigen Positionen in der Bildungspolitik vor. Dazu zählt insbesondere die Forderung im Wahlkampf nach einem gemeinsamen Lernen der Kinder bis zur 6. Klasse. Vor allem die CDU sieht Sachsen als einen Musterschüler im deutschen Bildungswesen. Ein gutes Abschneiden bei Tests wie PISA hat das Selbstvertrauen in diesem Punkt gestärkt. Dennoch bleibt auch unter der neuen CDU/FDP-Regierung, die eine große Koalition in Dresden ablöst, nicht alles beim Alten. Doch manche Formulierungen werfen Fragezeichen auf.
Der CDU-Landesvorsitzende, Regierungschef Stanislaw Tillich, und FDP-Chef Holger Zastrow unterzeichneten am 22. September den Koalitionsvertrag. Die 57-Seiten-Vereinbarung war zuvor auf Sonderparteitagen beider Parteien gebilligt worden. Die CDU setzte sich bei den Verhandlungen in allen wesentlichen Punkten durch. Laut Planung steht am 29. September die Wahl Tillichs zum Ministerpräsidenten an. Am Tag darauf sollen die Minister vereidigt werden. Die Zusammensetzung des Kabinetts war bis zum 25. September noch nicht bekannt. Das Bildungs- und Wissenschaftsministerium sollen aber CDU-geführt bleiben. Die CDU hatte bei der Landtagswahl am 30. August 40,2 Prozent der Stimmen erhalten, die FDP 10,0 Prozent.
Nach dem Willen der Koalitionäre wird sich auch künftig der Bildungsweg sächsischer Schüler schon nach Klasse 4 teilen. Dann erhalten sie eine „Bildungsempfehlung“, ob sie künftig aufs Gymnasium oder die Mittelschule gehen. Die Mittelschule bietet einen Realschulabschluss (10. Klasse) und einen Hauptschulabschluss (9. Klasse). Künftig gibt es nach Klasse 6 eine weitere „Bildungsempfehlung“. Sie soll die Durchlässigkeit zwischen den Schularten erhöhen. Theoretisch konnten Schüler auch bisher schon in späteren Klassen auf das Gymnasium wechseln. Weil die Fächer aber nicht mehr übereinstimmten, war das praktisch kaum möglich.
Auch deshalb sprach sich Tillich schon vor einem Jahr dafür aus, „Spätzündern“ eine zweite Chance zu geben. 2005 hatte Sachsen den Gang zum Gymnasium erleichtert. Statt des bis dato verlangten Notendurchschnitts von 2,0 in Deutsch und Mathematik bekamen seither auch Schüler mit 2,5 noch eine solche Empfehlung. Jetzt heißt die Formulierung „besser als 2,5″. Ob das ein Rückgriff auf die alte Regelung ist, bleibt unklar. Zudem erwägt die Koalition, auch andere Fächer bei der Empfehlung zu berücksichtigen. Um „Spätzündern“ den Weg zur Reifeprüfung zu erleichtern, sollen in der 5. und 6. Klasse der Mittelschule Leistungskurse entstehen. Laut Koalitionsvertrag wird die Mittelschule als Kernstück des Schulsystems zu einer nicht näher definierten Oberschule weiterentwickelt. Im Kern geht es wohl darum, die an Gymnasien übliche zweite Fremdsprache ab Klasse 6 auch für Nicht-Gymnasiasten anzubieten. Das grundsätzliche Ziel besteht darin, mehr Abiturienten zu bekommen. Deshalb will Schwarz-Gelb zwei andere Wege zum Abitur fortan bekannter machen: das berufliche Gymnasium um die Fachoberschule. Ein gemeinsames „Abi“ mit anderen Bundesländern wird als Zwischenschritt für ein bundesweit einheitliches Abitur genannt.

Stehen Gemeinschaftsschulen vor dem Aus?
Ein Satz in der Koalitionsvereinbarung hat die Gemüter besonders erregt: „Die bisher genehmigten Schulversuche zur Gemeinschaftsschule werden abgeschlossen und evaluiert.“ Das liest die Opposition als Abgesang auf Gemeinschaftsschulen schlechthin, von denen es bisher ohnehin nur neun gab. Das Interesse war größer, viele Anträge wurden abgelehnt. Auf jeden Fall sollen die jetzigen Gemeinschaftsschüler ihren Abschluss noch an einer Schule dieses Namens machen können. Da das jüngste Projekt erst im August 2009 mit Fünftklässlern startete, dürfte das Modell tatsächlich erst 2015 auslaufen.
Laut Koalitionsvertrag werden die Ganztagsangebote verbessert. Der Anteil von Schülern ohne Abschluss soll sinken. Auch unter Schwarz-Gelb wird es sogenannte Lerncamps für leistungsschwache Schüler in den Ferien geben. Viele Formulierungen tragen den Charakter unverbindlicher Absichtserklärungen:
„Wir werden für eine intensivere Vermittlung von DDR-Geschichte eintreten.“ In dünn besiedelten Regionen soll das öffentliche Schulnetz „in einer zumutbaren Erreichbarkeit für jeden Schüler“ erhalten bleiben – eine alte Forderung der FDP. Ob weitere Schulen schließen, wird nicht gesagt. Die Eigenverantwortung der Schulen soll erhöht werden. So ist ein Modellprojekt „Selbstständige Schule“ geplant. von Jörg Schurig

Mehr Informationen unter bildungsklick.de

So die Hoffnung des Wächterhaus e. V. um Stadtratsmitglied Urs Warweg (SPD), der sich um unkonventionelle Nutzungsideen für gefährdete Gebäude bemüht

Die Infrastruktur um die Eckbebauung Talstraße 15/16 ist sehr gut ausgebaut und die Außenwirksamkeit gegeben. Spuren von Vandalismus sind in den 60 bis 70 qm großen Wohnungen nicht zu sehen. Die Fassade und die Fenster sind in Ordnung, der Keller trocken. Das Gebäude ist ohne Müll, das Dach dicht. So klingt die Beschreibung von offizieller Seite des wahrscheinlich ersten Wächterhauses in Erfurt. Es befindet sich genau an der Stelle, wo sich Berg in Tal wandelt, oder besser die Talstraße zur Bergstraße wird. Zeit, Bergfest zu feiern!
Das Wächterhauskonzept ist ein Projekt des Leipziger Vereins Haushalten e. V. und gibt gefährdeten Gebäuden durch unkonventionelle Nutzungsideen neue Perspektiven. Seit 2008 ist das Konzept Bundesmodellprojekt und wird in acht deutschen Städten umgesetzt. Unter anderem in Erfurt, wo sich seit seiner Gründung im April des letzten Jahres der Wächterhaus e. V. um eine geeignete Immobilie bemühte und sie nun endlich gefunden hat.
Haushalten e. V. aus Leipzig und Wächterhaus e. V. aus Erfurt sehen ihre Aufgabe darin, ratlose Eigentümer leerstehender Gebäude und potentielle Nutzer zusammenzubringen. Die Wächter übernehmen für die Zeitspanne von fünf Jahren die Verantwortung für das Haus.
Seit 2004 ermöglichen Wächterhausvereine die Instandhaltung brachliegender Jugendstil- und Gründerzeithäuser, die auf Grund der Kreuzungslage schwer zu vermitteln sind. Die ehemaligen Wohnungen werden durch soziokulturelle Initiativen und kreativwirtschaftliche Kleinunternehmen umgenutzt. So entstehen Tanzstudios, künstlerische Werkstätten oder Architekturbüros. Die Wächter übernehmen für die Zeitspanne von fünf Jahren die Verantwortung für das Haus. Die vielfältige Nutzung bewahrt die Häuser vor dem Verfall. Die Ladenflächen im Erdgeschoss werden als Klubs, Kneipen oder Kulturzentren umgenutzt und beheimaten zumeist gemeinnützige Vereine oder Initiativen. Die Häuser entwickeln sich so zu alternativen Kreativzentren und ermöglichen durch die Nähe der unterschiedlichen Nutzer neue Synergien und Formen der Zusammenarbeit.
Daneben entwickeln sich in den Seitenstraßen erste Wohnprojekte nach dem Wächtermodell. Die kulturelle Nutzung spielt aber weiterhin eine große Rolle und die Bewohner veranstalten für sich und die Nachbarschaft Kinoabende, Tischtennisturniere und Hausfeste. Die Wächter tragen so wichtige Arbeit zur Stadteilkultur bei. Nicht selten werden aus Hausfesten Straßenfeste…
Vorerst ist genau dieses Szenario für Erfurt (noch) Zukunftsmusik, aber Tor und Tür sind aufgestoßen, die Schwelle übertreten. Gebäude wie in der Talstraße müssen in Nutzung kommen, so das Verwaltungsdeutsch der Vereinsmitglieder. Immerhin gibt die Stadt jährlich 155.000,00 Euro für leerstehende Häuser aus und das bei einem Wertverlust von 25.000,00 Euro pro Jahr. Das ist auch dem Stadtrat dank zahlreicher Anfragen des Vereins bewusst. Warum also nicht aus der Not eine Tugend machen und bei relativ geringem Investitionsvolumen Initiativen und Vereinen ein Dach bieten und so eventuellen Schäden im selbigen vorbeugen?! Interessierte gibt es sicher, nun müssen die rechtlichen Aspekte wie Versicherung, Nutzungsordnung und Vertragliches geklärt werden. Hierbei soll von Anfang an eng mit der Stadtverwaltung zusammengearbeitet werden, indem die Stadt dem Wächerhausverein das Haus für die Nutzung zur Verfügung stellt. Der Verein wäre dann für die Verwaltung des Gebäudes und die eventuelle Überführung in ein Selbstnutzerkonzept nach Ende des Fünfjahresvertrags verantwortlich. Neben der Talstraße kommen für den Verein die Stadtteile Erfurt Nord und Ilversgehofen um das AJZ, die Villa des Klanggerüst e. V. und das Malzwerk für weitere Nutzungsideen in Frage.
Mehr Informationen im nächsten hEFt. Ganz Eiligen sei die Wächterhaustagung in Leipzig am 24. und 25. September 2009 empfohlen. Ziel der Tagung ist es, gemeinsam mit Vertretern aus Verwaltung, Politik und Wissenschaft sowie lokalen Akteuren und Initiativen Erfahrungen zum Thema „Zwischennutzungen von Gebäuden als Handlungsinstrument der Stadtentwicklung“ auszutauschen. Mehr Informationen unter haushalten.org

Maxi Kretzschmar in hEFt für literatur, stadt und alltag, Oktober 2009, Du und ich in der Hängematte